zur Homepage
Dummytraining

nicht einfach nur apportieren

dummy01.jpg

Wenn man sich die Geschichte des Labrador Retrievers etwas genauer anschaut, fällt einem auf, das der Labrador Retriever (wie übrigens alle Retriever Rassen) ein hochspezialisierter Jagdhund ist. Er wurde und wird als Hund nach dem Schuß eingesetzt, d.h. er soll weder das Wild aufstöbern noch eigenhändig erlegen. Seine Aufgabe ist es, das geschossene Wild in die Hände seines Hundeführers zu apportieren. Meiner Meinung nach, ist die Ausbildung des Labradors in diese Richtung immer noch die artgerechteste - denn dafür wurde er ja auch gezüchtet. Für nicht Jäger bietet sich statt Wild die Arbeit mit Dummys an. Dummys sind Leinensäckchen, die mit unterschiedlichen Materialien wie Sand, Kork o.ä. gefüllt sind. Es gibt sie aber auch aus Plastik.

 

Der Retriever - ein Spezialist unter den Jagdhunden
Auch Retriever sind Wolfsabkömmlinge, die eine gute Erziehung, viel Bewegung und Beschäftigung brauchen. Der Retriever ist für ein Leben in freier Natur prädestiniert und dazu geschaffen, mit seinem Menschen auf die Jagd mitzugehen - ohne wirklich Jäger zu sein. Die jagenden Hunde wie Vorstehhunde, Bracken, Laufhunde und Stöberhunde müssen Wild aufspüren, aufstöbern, es anzeigen oder dem Jäger zutreiben. Somit ist ihr Trieb Wild zu hetzen, von Natur aus sehr ausgeprägt. Ihre Erziehung und Ausbildung gehört in die Hand eines fachkundigen Experten.

dummy03.jpg

Als "Apportierhund" ist der Retriever eigentlich kein jagender Hund, sondern er sollte ruhig bei Fuß gehen und den Jäger ins Revier begleiten. Erst nach dem Schuss wird er losgeschickt, um totes oder verletztes Wild zurückzubringen (was genau die deutsche Übersetzung des Wortes "to retrieve" ist). Beim Apportieren sollte er sich nicht durch lebende Fasane, Enten, Hasen etc. ablenken lassen, sondern sie ignorieren. Da das fein säuberlich zurückgebrachte Wild nach Möglichkeit in einem Kochtopf landen sollte, ist es wichtig, dass es auch sanft (mit weichem Maul) apportiert wurde - wer mag schon zermalmte Entenbrust.

 

Der Retriever wurde als Spezialist für die Wasserarbeit gezüchtet. Sein speziell wasserabweisendes Fell ermöglicht es ihm, auch unter widrigsten Witterungsbedingungen im Nassen Element erfolgreich zu arbeiten. In England, dem Ursprungsland der Labrador Retriever, wurde der angeborene Instinkt der Retriever, nämlich Beute nach Hause zu bringen, durch Zuchtauslese verstärkt, die jagdlichen Instinkte dagegen unterdrückt.

 

Die jagdliche Verwendbarkeit stand vor allem bei der Zucht des Labrador Retrievers im Vordergrund, so dass sich eigenständige Arbeitslinien entwickelten. Die Hunde sollten das erlegte Wild nicht einfach nur bringen, sondern am Ende einer Jagd die erlegten Stücke erst selbstständig suchen und finden und sich weder durch eisiges Gewässer, noch durch dichte Brombeerhecken oder ähnliches davon abhalten lassen. Trotz ihrer Passion müssen die Hunde ruhig und leichtführig sein.

 

Vom ausgebildeten Retriever wird verlangt:

 
  • dass er ohne einen Laut zu geben (kein Winseln und kein Bellen) unangeleint neben seinem Besitzer sitzt und das Geschehen beobachtet
  • dass er sich die Fallstelle (oder auch mehrere) merkt (markiert) und erst wenn er vom Führer zum Apportieren aufgefordert wird, das Gewünschte so effizient wie möglich zurückbringt
  • dass er jederzeit auf akustische Signale (Pfeife) und auf visuelle Signale (Handzeichen) reagiert
  • dass er trotz dieser sehr ausgeprägten Reaktion auf akustische und visuelle Signale (Führigkeit) selbstständig arbeitet
    dass er seine Nase einsetzt und mittels Fährte zum Wild findet
  • dass er in jedem Gelände und auch im Wasser arbeitet
  •  
    dass er das gefundene völlig unversehrt (ohne Einbisse) auf dem schnellsten Weg zum Führer zurückbringt.
dummy02.jpg

Die Dummyarbeit
Soviel zum jagdlichen Einsatz unserer Retriever, aber nicht alle Retriever Besitzer können und wollen mit ihren Hunden auf die Jagd gehen. Eine wunderbare und für den Hund wertvolle Beschäftigungs-Möglichkeit ist die "Dummy-Arbeit", welche die jagdliche Arbeit des Apportierens nach dem Schuss nachempfindet.

 

Das Dummy (übersetzt aus dem Englischen mit "Attrappe") ist ein festes Leinensäckchen (gibt es in verschiedenen Größen - Standart für erwachsene Retriever ist 500g). Es dient als Ersatz für ein Stück Wild und schwimmt auch auf dem Wasser. Wird das Dummy mit einem Dummy Launcher (speziell ausgerüstetes Schießwerkzeug) abgeschossen, fliegen die Dummies über eine große Distanz. So kann der Effekt des "nach dem Schuss" gut nachgestellt werden.

 

Die Dummy-Arbeit erfordert viel Zeit und Geduld. Vorraussetzung dafür ist eine gute Grundausbildung, die vor allem zuverlässiges Apportieren, schneller und guter Appell umfasst und den Willen zur Arbeit mit dem Führer erfordert. Ursprünglich wurde das Dummytraining in England als Vorbereitung des später jagdlich eingesetzten Retrievers durchgeführt. Leute mit Prüfungsambitionen, können mit ihrem ausgebildeten Retriever an Dummyprüfungen, dass heißt an Workingtests teilnehmen.

 

In England, wo Workingtests wettkampfmäßig durchgeführt werden, arbeitet man meist mit Retrievern aus reinen Arbeitslinien, die schnell und leichtführig sind. Diese Tests dienen auch als Vorbereitung für den jagdlichen Einsatz. Es gibt keine spezielle Prüfungsordnung dafür, vielmehr werden Jagdsituationen nachgestellt. Je nach Beschaffenheit des Geländes, gestaltet der Richter die Aufgaben selbst, was vom Hund einiges an Können und Flexibilität verlangt.

 

Apportieren für Anfänger
Auch in Deutschland werden Workingtests und Apportierprüfungen furchgeführt. Der Laie fragt sich jetzt verzweifelt, was ihn denn an einer solchen Prüfung erwarten könnte und was vom Richter in etwa wie bewertet wird. Kommen wir deshalb zuerst zu den einzelnen Basis Übungen und ihren Tücken.

 

Mark und Doppelmark
Wie schon der Name sagt, geht es bei einer einzelnen Markierung ("Single mark") darum, den Hund auf Anordnung des Richters zum geworfenen Dummy zu schicken und es schnellstmöglich apportieren zu lassen. Der Wurf des Dummys erfolgt meist unter Schussabgabe oder allenfalls unter Benutzung einer anderen Geräuschquelle. Das Doppelmark (zwei geworfene Dummies) fordert vom Hund eine gesteigerte Merkfähigkeit und, da der Führer das zuerst zu holende Dummy vorgibt, einen guten Gehorsam.

 

Mögliche Schwierigkeiten:
Der Hund soll still sitzen und erst auf Befehl apportieren (nicht von sich aus losrennen), das heißt "steady" sein Der Hund hat dasjenige Dummy zuerst zu holen, das ihm der Führer vorgibt der Hund sollte das Dummy umgehen (ohne Ehrenrunde beim Werfer, beim Richter etc.) zum Führer zurückzubringen Das Dummy soll unversehrt sein, d.h. keine Einbisse aufweisen (das kommt bei einem normal veranlagtem Retriever so gut wie nie vor)

 

Blind (nicht sichtbares Dummy)
Beim Blind geht es darum, den Hund mittels Einweisen (unter Einsatz von Pfeife und Handzeichen) in die vorgegebene Richtung möglichst direkt an einen bestimmten Punkt zu bringen, wo das Dummy versteckt ist.

 

Mögliche Schwierigkeiten:
Der Hund läuft zu weit / zu wenig weit und lässt sich nicht in einem bestimmten Bereich halten Der Hund tauscht sein Dummy gegen ein anderes Der Hund riecht erst ein Dummy, sucht weiter und apportiert ein anderes (sogenanntes "blinken", engl. "Blink" heißt absichtlich übersehen) Der Hund lässt sich von anderen Geräuschen / Vorgängen irritieren und lässt das Dummy fallen

 

Linie, gehen in der Linie
In der Linie geht es darum, in einer Gruppe von 2 - 8 Personen gemeinsam auf einer Linie über ein Feld zu gehen. Ein Schuss wird abgegeben und in Sichtweite fällt ein Dummy. Der unangeleinte Hund wartet so lange, bis er von seinem Führer zum apportieren gesandt wird. Die nicht arbeitenden Hunde in der Linie sollten ebenfalls ohne Einwirkung ruhig sitzen. Wenn ein Hund gearbeitet hat, geht die Gruppe weiter.

 

Mögliche Schwierigkeiten:
Der Hund läuft nicht neben seinem Führer sondern zu weit vor, oder zurück Der Hund löst sich ohne Kommando vom Führer ("er springt ein") z.B. bei Schussabgabe oder wenn er seinen Nachbarhund arbeiten sieht. Der Hund wird nervös und bellt, jault, winselt oder wälzt sich am Boden

 

Treiben
Eine Gruppe von Hunden und ihren Führern stellt sich in der Linie auf und bleibt während dem ganzen "Treiben" an Ort. Ein simuliertes Treiben mit viel Getöse soll (nicht vorhandenes) Wild aus dem Wald, dem Unterholz treiben. Schüsse fallen, es klatscht es dröhnt etc. Im Anschluss daran wird der Hund für einen Apport geschickt.

 

Mögliche Schwierigkeiten:
der Hund springt beim Klamauk ein
der Hund verhält sich nicht ruhig und bellt, jault, winselt
der Hund läuft in die falsche Richtung

 

Wasserarbeit
Zur Arbeit mit dem Retriever gehört auch die Arbeit am und im Wasser. Sämtliche oben beschriebene Grundsituationen können auch am Wasser verlangt werden.

 

Mögliche Schwierigkeiten:
der Hund springt ins Wasser, bevor er sollte ("einspringen")
Der Hund verweigert das Wasser (kommt beim Labrador auch seltener vor :-))
Der Hund legt das Dummy beim herauskommen aus dem Wasser ab und schüttelt sich, bevor er es zum Führer bringt.

 

Grundsätzlich unerwünschtes Verhalten bei Working Tests

  • der Hund gehorcht dem Führer nicht im Umfeld einer Prüfung
  • er Hund hält das Dummy sehr unruhig im Maul. Häufig verschlimmert sich dies, so dass er zu stark zubeißt und das Dummy "löchert"
  • er Hund legt das Dummy auf dem Rückweg ab und geht anderen, eigenen Interessen nach
  • er Hund gibt das Dummy nicht sauber seinem Führer in die Hand (es muss mit Gewalt aus dem Fang genommen werden, es wird auf dem Boden gespuckt)

 

Seinen Hund leise und mit möglichst wenig Worten zu lenken, d.h. möglichst wenig aber effiziente akustische und visuelle Einwirkung, das ist die hohe Kunst des "handlings". Eine körperliche Bestrafung oder eine Berührung während der Übungen führen zum Ausschluss.